Pflegedirektion Schwerpunkte

Was ist Krankenpflege?

Pflege ist therapeutischer, personaler Dienst am Menschen, in der Sorge um das Wachsen und Werden, entsprechend seiner Bedürfnisse und Befindlichkeiten auf allen Ebenen, an denen der Mensch Teil hat:

  • Materie - das Stoffliche, das körperlich Greifbare
  • Bios - das Leben, der belebte Körper, der Leib
  • Psyche, Pneuma - die Seele, das Lebensprinzip (Eigenwelt)
  • Absoluter Geist - das kosmische Prinzip, das Göttliche (Überwelt)

gemeint als

  • verstehend, liebend und handelnd In-Beziehung-Treten zur Mit- und Umwelt im Bereich aller Aktivitäten des täglichen Lebens durch Behandeln, Betreuen, Begleiten;
  • Hilfe zur Selbsthilfe durch Aktivieren aller inneren Kräfte und Energien und äußere Hilfen und Hilfsmittel zur Bewältigung der Realität des Lebens und des Menschseins, sei es in optimaler Gesundheit, in bestmöglicher Lebensqualität, im Sinne der Anpassung an die Realität erreichbarer Gesundheit oder bleibender Behinderung, in Lebenserfüllung im Sterben.

Liliane Juchli
  

Pflegemodell nach Nancy Roper

Roper baut ihr Konzept auf einem Modell des Lebens auf. Sie stellt das Leben als einen Prozess von der Empfängnis bis zum Tod dar, bei dem sich der Mensch mit seinen Lebensaktivitäten auf einem Kontinuum zwischen Abhängigkeit und vollkommener Unabhängigkeit bewegt.

Hauptkomponenten dieses Modells sind die zwölf Lebensaktivitäten:

  • Schlafen
  • Sich bewegen
  • Sich sauberhalten und kleiden
  • Essen und trinken
  • Ausscheiden
  • Die Körpertemperatur regulieren
  • Atmen
  • Für Sicherheit der Umgebung sorgen
  • Sich beschäftigen
  • Kommunizieren
  • Sterben
  • Sich als Mann oder Frau fühlen


Die Lebensaktivitäten haben den Vorteil für ein Pflegemodell, dass man sie beobachten, klar umschreiben und in einigen Fällen objektiv messen kann. Die Lebensaktivitäten liegen im Brennpunkt der Modells, weil sie im Mittelpunkt unserer Auffassung von Pflege stehen. Jeder Mensch übt diese Lebensaktivitäten unterschiedlich aus und entwickelt sich einzigartig. In jedem Fall hat der gehobene Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege auf die Individualität des Kranken zu achten. Voraussetzung für eine gute Krankenpflege ist es, dass in der Informationssammlung festgestellt wird, welche Gewohnheiten der Patient hat, was er selbst tun kann und was er nicht selbst tun kann, welche Probleme und Schwierigkeiten der Patient hat und wie er sie selbst bewältigt (Pflegeanamnese). Erst daraus ergibt sich, bei welchen Aktivitäten und in welchem Ausmaß der Kranke die Hilfe des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege wünscht oder benötigt. Individuelle Krankenpflege ist also, dem Patienten zu helfen, Probleme im Zusammenhang mit den Lebensaktivitäten zu vermeiden, zu lösen, zu lindern oder zu bewältigen. Sie ist nicht nur die Reaktion auf die vorhandenen Probleme, sie soll auch Problemen vorbeugen.
 

Pflegemodell nach Dorothea Orem

Das Pflegemodell nach Dorothea Orem ist auf Selbstfürsorge aufgebaut. Es hebt die persönliche Verantwortung jedes einzelnen für seine Gesundheit hervor. Sie geht davon aus, dass jeder Mensch sich selbst pflegt und nur, wenn er in dieser "Selbstpflege" eingeschränkt ist, die Hilfe einer Pflegekraft oder Organisation in Anspruch nimmt. "Selbstpflege" ist das persönliche für sich sorgen, d. h. die Ausführung von Tätigkeiten, die einzelne Menschen in ihrem eigenen Interesse für die Erhaltung des Lebens sowie des Wohlbefindens und ihrer Gesundheit vollbringen. Aufgabe der Pflegekraft ist es, das Selbstpflegedefizit der Patienten auszugleichen.

Nach Orem bilden 8 Aktivitäten die Grundlage der universellen Selbstpflege:

  • eine ausreichende Zufuhr von Luft
  • eine ausreichende Zufuhr von Wasser
  • eine ausreichende Zufuhr von Nahrung
  • Vorkehrungen im Zusammenhang mit Ausscheidungsprozessen und Ausscheidungen
  • der Erhalt eines Gleichgewichts zwischen Aktivität und Ruhe
  • der Erhalt eines Gleichgewichts zwischen Alleinsein und sozialer Interaktion
  • die Abwendung von Gefahren für Leben, menschliche Funktionsfähigkeit und menschliches Wohlbefinden
  • die Förderung der menschlichen Funktionsfähigkeit und Entwicklung innerhalb sozialer Gruppen in Einklang mit den menschlichen Fähigkeiten, Grenzen und dem Wunsch nach Normalität


Die Kunst der Pflege wird praktiziert, in dem für die Person mit der Einschränkung "etwas getan" wird, indem "man ihr hilft, etwas für sich zu tun" und/oder indem man "ihr hilft zu lernen, etwas für sich zu tun". Pflege wird auch praktiziert, indem man einer kompetenten Person aus der Familie oder dem Freundeskreis des Patienten "hilft zu lernen, wie man etwas für den Patienten tun kann".

Für eine benutzerfreundliche Gestaltung der Website werden Cookies verwendet
Damit ist eine uneingeschränkte Nutzung der Website möglich. Bitte stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu, um alle Funktionen der Website nutzen zu können.

» mehr Informationen